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hol_MICH_hier_raus
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Der alltägliche Wahnsinn…

Freundlichkeit hat ihre Grenzen...

Es war Donnerstag, der 19.06.2008. Der Wecker klingelte so um 9:30 Uhr, aber ich schenkte ihm keine weitere Beachtung, ausser einem Klapps auf den "Alarm aus" Knopf. Kurze Zeit später, so gegen 12:30 Uhr, entschloss ich mich aber dann doch, langsam, ganz langsam am Leben teilzunehmen. Und das Leben, das mich an diesem Tag erwarten sollte, würde hart werden - verdammt hart. Nach einem Blick in den Spiegel und einem Glas Kakao weiter war ich endlich richtig wach... ich antwortete bei Nighttreff.de auf die über Nacht 84 eingetroffenen Mails. Da ich ein braver Junge bin, beantwortete ich wirklich alle Nachrichten. So gegen 14 Uhr war ich fertig.

So, jetzt erst mal schön Duschen gehen. Das dauerte dieses Mal ein wenig länger, in regelmäßigen Abständen mache ich eine Intimrasur - das sieht gut aus und gibt ein ebenso gutes Gefühl. Um 15:30 Uhr stand ich dann frisch rasiert, gewaschen und gestylt vor dem Schlafzimmerspiegel, überprüfte noch einmal den ordnungsgemäßen Sitz meiner Sonnenbrille und platzierte meinen fluffigen PoPo ins Auto, welches ich so dann zielstrebig zum Straßenverkehrsamt der Stadt Erlangen lenkte.

Und da nahm der Horror seinen Beamtengewordenen Lauf:

Es ging um nichts weiter als die Vorlage einer neuen Doppelkarte zwecks Versicherungswechsels. Das bedeutet im Normalfall: Reingehen, an der Info nach dem Zimmer fragen, klopfen, vielleicht ein wenig warten, Name nennen, Karte vorlegen, Stempel abholen, nett "Tschö und Danke" sagen und wieder gehen. Wie gesagt: Im Normalfall!

Da ich schon oft Seminare gegeben habe, was den sicheren, freundlichen und vor allem sachlichen Umgang mit Kunden angeht, weiß ich durchaus, wie man auch als Kunde selber schneller und streßfreier zum Ziel kommt. Und es dauert wirklich sehr sehr lange, bis ich, hol_MICH_hier_raus, die Geduld verliere - sehr lange! So öffnete ich die Türen des reichlich heruntergekommenen Gebäudes. Ich war nun in der Empfangshalle des Straßenverkehrsamtes, ich bin extra am Donnerstag gekommen, da haben die bis 18 Uhr geöffnet - ich wusste bis da leider noch nicht, das "bis 18 Uhr geöffnet" nicht auch "bis 18 Uhr arbeiten" bedeutet. Jedenfalls nicht bei denen.

Nett und freundlich ging ich zur Information um zu fragen, welches Zimmer ich denn nun in meiner Angelegenheit aufsuchen müsse. Aber zu meinem Erstaunen war da kein Mensch zu sehen. Ein "Ich komme gleich wieder" Schild hing als Ersatz an der Glasscheibe. Scheinbar bedeutet GLEICH im Beamtendeutsch nicht das GLEICH wie im "hMhr- Deutsch". Nun denn, die bereits 3 oder 4 wartenden "Kunden" meinten, die Dame sei schon seit 20 Minuten weg. Genau diese Zeit gesellte ich mich nun auch dazu. Ein wenig langweilig wurde es dann aber doch, so das ich anfing, die Schilder zu deuten, die mit dem Charme einer Vorkriegsschreibmaschine getippt und mit Tesafilm an die Wand geheftet wurden, um verirrten Jüngern der automobilen Gesellschaft den Weg in die richtigen Zimmer zu weisen.

Laut Zettel müsste ich zwecks "Versicherungsangelenheiten" eine Etage höher. Das tat ich dann auch. Aber was nun: Eine weitere Empfangs- bzw. Wartehalle, keine Information. Rechts von dieser Halle ein endlos langer Flur - links von dieser Halle ein endlos langer Flur aber keine weiteren Hinweiszettel in der Halle selber. So etwas wie einen Menschen den ich hätte fragen können sah ich auch nicht. An den Türen in den Fluren, die ich beide nach und nach ablief, waren dann zu meiner Freude doch weitere Hinweiszettel zu sehen. Auf dem einen stand: "Bitte im Zimmer gegenüber melden" auf dem Zettel an der Tür vom Zimmer gegenüber stand: "Nicht besetzt, Vertretung auf Zimmer 124". Zimmer 124 jedoch war lustiger Weise das Zimmer gegenüber, dessen Zettel mir doch eben noch mitteilte ich solle mich im Zimmer gegenüber melden. Ich glaube, da erlauben sich kleine, perverse Beamte einen Spaß. Egal, ich wanderte die Flure auf und ab, als ich eine Frau aus einem der Zimmer kommen sah. Meine Chance. Ich wollte gerade freundlich "Guten Tag" sagen, aber sie unterbrach mich sofort: "Einen Moment bitte, Ja!" und verschwand auf der Angestelltentoilette. Ich schämte mich fast ein wenig, die Frechheit gehabt zu haben, diese Frau freundlich anzusprechen.

Nach 15 Minuten hatte sie Ihren Toilettengang (oder besser: Toilettenwanderung) beendet. Ganz vorsichtig sagte ich noch einmal "Hallo" und fragte sie, wo ich denn in meiner Angelegenheit nun hin müsse. Sie wisse es auch nicht so genau, aber auf jeden Fall wäre es der linke Flur und da die rechte Seite und da eine der ersten drei Türen. Na endlich, das war doch mal eine klare Aussage. Ich ging also zu Tür 1. Ein Zettel stand da: "Bitte im Zimmer gegenüber melden" Na, das kannte ich ja schon, aber vielleicht hatte ich ja dieses Mal Glück. Im Zimmer gegenüber vernahm ich nach meinem zart vorsichtigen Klopfen ein laut genervtes: "JAA?!" Leise, wirklich ganz leise öffnete ich die Tür und sagte sehr freundlich: "Guten Tag und Entschuldigung, aber ich wollte...." Aber weiter kam ich nicht. Ein agressives "Moment noch" stoppte mich. Nach 5 Minuten durfte ich endlich mein Anliegen los werden, um mir anschließend sagen zu lassen, dass ich in das Zimmer gegenüber müsste. Ich meinte ein wenig ängstlich, dass da aber ein Zettel hängen würde, auf dem geschrieben steht, das ich mich "Gegenüber auf dem Zimmer" melden sollte. Ich glaube, das machte den Menschen ein wenig böse. Er meinte nur, dann wisse er auch nicht, wo ich hin sollte, ich solle mal an der Info fragen. Ich verzichtete auf "Ich glaube da ist aber keiner" und ging mit den Worten "Tschö und Danke" aus dem Zimmer. Ich sollte ja noch 2 Türen zur Wahl haben.

Also, der zweite Versuch: Klopf Klopf. Ein kurzes: "Ja was denn?" schallte durch die Tür. Da ich mein Anliegen nicht durch eine geschlossene Tür vorbringen wollte, ging ich herein, lächelte und fragte wieder freundlich, ob ich hier richtig sei. Die Dame fragte genervt nach meiner letzten Autokennzeichenziffer. "Die 3? Ja, da sind Sie hier richtig, das macht meine Kollegin, die kommt gleich wieder, einen Moment noch, warten Sie bitte draussen!" Ich folgte dieser Aufforderung wie ein Sklave seiner Domina und ging gesenkten Hauptes nach draussen, um meiner Folgsamkeit noch enormeren intensiveren Ausdruck zu verleihen. Die Kollegin kam zu meinem Erstaunen bereits nach wenigen Minuten. Von weitem sah ich sie auf mich zukommen, Ihr Blick erkannte mich und schien nicht erheitert. Mit einem "Tach, kommen Sie rein" bat sie mich in Ihr Büro und fragte, was ich denn wolle. Und wieder brachte ich mein Anliegen vor - und wieder war ich freundlich. "Wenn Sie lesen könnten" meinte die Dame "dann würden Sie bereits an der Tür bemerkt haben, dass ich nur die Endziffern 9 bearbeite. Da ich lesen kann, sehe ich auf Ihrer Doppelkarte, dass Sie die Endziffer 3 haben. Das macht ein anderer Kollege, eine Tür weiter!"

Ich wollte noch sagen, das die Kollegin der Dame aber vorhin meinte, ich solle hier warten, aber ich wollte einfach nicht dreisst erscheinen und ging mit einem freundlichen "Tschö und Danke" in das Zimmer nebenan. Die Dame hatte wohl einen schlechten Tag, daher regte ich mich über die freche Unterstellung, ich könne nicht lesen, auch nicht weiter auf, führt ja doch zu nichts. Ich klopfte als nun in Erwartung einer Bearbeitung meiner Sache an der Tür Nummer 3. Wobei "Klopfen" konnte man das mittlerweile zärtlich ängstliche Streicheln der Tür nicht mehr nennen. Ich wurde zum Reinkommen aufgefordert. Wieder schilderte ich den Grund meiner Anwesenheit, wieder war ich freundlich. Und ich war siegessicher, denn auf der Tür, die ich zuvor streichelte stand auch wirklich "Nur Endziffer 3".

"Ich mache heute nur die Endziffern 5 und 2, wegen der 3 müssen Sie in den anderen Flur, Zimmer 136!" Freundlich sagte ich "Tschö und Danke" und ging zum anderen Flur und streichelte die Tür zu Zimmer 136 noch vorsichtiger als alle anderen Türen zuvor. Ich durfte reinkommen, eine Frau meinte nach dem freundlichen Vorbringen meines Anliegens: "Die Kollegin, die das macht, ist heute unten, im Erdgeschoss, ich weiß nur nicht, welches Zimmer, ist eine leicht mollige Dame mit feuerroten Haaren, Frau Müller!" (Hinweis: Name von mir aus Datenschutztechnischen Gründen frei erfunden!) Ich sagte "Tschö und Danke", verließ das Zimmer, hechtete die Trepper runter, stand wieder in der Empfangshalle, in der inzwischen mindestens 8 oder mehr Leute vor dem immer noch leeren Infostand warteten. DA, ja, wirklich, da war Sie: Frau Mülller - leicht mollig, feuerrote Haare, das konnte Sie nur sein. Ich tänzelte elfengleich vorsichtig an sie heran und fragte ganz vorsichtig und immer noch freundlich: "Entschuldigung, Hallo, sind Sie Frau Müller?" - und die Antwort sollte meine Rettung sein: "Ja, was denn?" STRIKE!!!! Ich hatte es geschafft. Vor Freude sprudelte mein Anliegen freundlich aus mir heraus. Das ich hier nur eben meine neue Doppelkarte abgeben wolle und das ich die Endziffer 3 hätte und das ich total froh wäre, in Frau Müller nun endlich die richtige Frau gefunden zu haben.

"Kommen Sie bitte morgen wieder, ich habe Feierabend!" meinte Frau Müller...

Die roten Haare hätten mich warnen sollen, ein dicker Teufel war die Frau Müller, nichts anderes. Jetzt reichte es mir und ich schwöre einen Eid, dass sich der folgende "Dialog" so und nicht anders mit der dicken Frau Müller, mitten in der Empfangshalle umringt von mindestens 15 oder mehr verwirrten Zeugen (wartende Kunden) abgespielt hat:

Ich: "Frau Müller, wissen Sie eigentlich, wer ich bin und wie ich heiße?"

Frau Müller: "Nein, woher auch?"

(Das war meine Rückversicherung, die Freundlichkeit hatte ein Ende.)

Ich schaute Frau Müller tief in die Augen und hörte mich folgende Worte sagen:

"Ich renne hier nun seit 1 Stunde durch diese Bruchbude. Ich lasse mich von Zetteln in Zimmer gegenüber verweisen, in denen mir unterbeschäftigte Beamte sagen, ich solle wo anders hin, aber keiner weiß wo. Seit einer Stunde will ich nichts weiter als diese scheiß verf*ckte Doppelkarte vorlegen. Seit einer Stunde bin ich scheißfreundlich, seit einer Stunde komme ich mir hier vor wie das allerletzte Arschloch auf dem Weg zur Hinrichtung, seit einer Stunde werde ich in diesem Drecksloch behandelt wie ein Fussabtreter. Und das alles nur um mir von Ihnen sagen lassen zu müssen, das Sie zu faul sind Ihren dicken Arsch ins Büro zu bewegen um einfach einen scheiß Stempel auf meine Doppelkarte zu drücken?!!!!!"

Unter dem Applaus einiger Leidensgenossen verließ ich freundlich die Empfangshalle, vernahm noch so was wie Hausverbot und alles weitere nur noch schriftlich.

In diesem Sinne..

"Tschö und Danke"




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26.06.2008 10:03
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*loooooooooool*

Du machst mir tollen Mut für meinen anstehenden Amtsbesuch am kommenden Dienstag. geschockt

Kann ich Dich da evtl. mitnehmen?

__________________
Jeder Mensch hat das Recht dumm zu sein. Nur manche mißbrauchen dieses Recht leider ständig!



Bilder gucken? Hier!!!
26.06.2008 10:16 Deifele ist offline E-Mail an Deifele senden Beiträge von Deifele suchen Nehmen Sie Deifele in Deine Freundesliste auf    
hol_MICH_hier_raus
unregistriert
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Hey, Dienstag ist etwas schwierig weil ich meinen kleinen Schatz bei mir habe und seine Party, Geburtstagsparty vorbereiten muss... und ausserdem habe ich die Nase erst mal voll, von unseren Beamten!

mad
26.06.2008 12:15
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