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Wem ergeht es nicht auch irgendwann mal so? Man wird seiner mühsam erarbeiteten Lebensrollen beraubt, fühlt sich gefangen in ihnen, und das Chaos tobt um einen herum? Aber es ist wohl so, dass Selbsterkenntnis seine Grenzen hat. Sie aber letztendlich der Schlüssel für einen Neuanfang ist.
Ich habe immer gedacht, so eine Lebenskrise, das kann dir nicht passieren. Und wenn, ich weiß mir bestimmt irgendwie zu helfen. Ich bin überall ein meinem Leben präsent, spiele die mir auferlegten Lebensrollen, so gut ich sie zu spielen weiß und wie es Regisseur, Mein Leben, von mir fordert. Dann und Wann lässt sich es auch in meinem Leben blicken. Ein Wink, ein Zufall, ein Fingerzeig. Es korrigiert meinen Lebensweg und schenkt mir neue Erfahrungen, lässt mich lachen oder weinen. Und manchmal hält es auch Überraschungen für mich bereit. Meistens empfinde ich sie als bereichernd, aber manchmal bringen sie mein Leben auch in echte Unordnung. Aber ist es nicht genau das, was mein Leben so lebenswert macht?
Es ist mal wieder an der Zeit, Mein Leben stattet mir einen Besuch ab. Ich habe es auch schon erwartet, denn in letzter Zeit läuft mein Leben aus dem Ruder. Mir ist danach, um Rat zu Fragen. Im Job läuft es nicht gut, ich habe das Gefühl, Bauernopfer in einem Machtkampf zu sein. Ich will es nicht akzeptieren, ich habe schließlich jahrelang an meiner Position gefeilt und um sie gekämpft. Das gleiche Spiel auch in der Liebe. Getrieben von Sehnsüchten verliere ich mich mehr und mehr in unerfüllten Liebschaften, die mir nicht gut tun. Aber ich halte an ihnen fest und ich weiß noch nicht einmal so recht, warum? Ist es nicht so, dass es nur die Angst in beiden Fällen ist, Abschied zu nehmen und einen neuen Anfang zu wagen?
So steht es vor mir und ich betrachte sein sonst so stolzes Gesicht. Es blickt mich aus trüben Augen an, das Gesicht zeigt ein paar verheilte Narben und ich kann Sorgenfalten entdecken. Mit ernster Miene spricht es zu mir: "Ich habe beschlossen, dir andere Rollen zu geben in deinem Leben. Was denkst du, wie sollen sich die Rollen ändern, was würde zu Dir passen?"
Ich erschrecke mich, mir wird ganz schummrig zumute und ich spüre, wie es mir den Boden unter den Füssen wegreißen will. In letzter Zeit habe ich schon öfters den wankenden Boden unter mir verspürt, aber diesmal habe ich Mühe, das Gleichgewicht zu halten. Mein Leben meint es also ernst mit mir! "Warum möchtest Du, dass ich etwas an meinem Leben ändere?" Und dickköpfig füge ich hinzu: "Ich bin zufrieden mit meinem Leben! Ich habe hart an meinen Lebensrollen gearbeitet, Du weißt es doch!" Mein Leben lächelt und ich spüre seinen kalten unerbittlichen Atem: "Einige deiner Lebensrollen sind ausgespielt, es ist sinnlos, daran festzuhalten und sie weiter zu spielen. Alles hat mal ein Ende. Es ist an der Zeit, dass sie neu geschrieben werden. Ich vermag für deinen jetzigen keine Regie mehr zu führen". Besänftigend fügt es hinzu: "So bedenke doch, jedes Ende bedeutet auch immer einen neuen Anfang."
Das hat mir noch gefehlt. Floskeln, abgedroschene Floskeln. Ich spüre, dass Verlustängste in mir hochkriechen und blicke es mit flehentlich Augen an: "Ich bitte dich, das kann doch nicht dein Ernst sein? Du willst mir meine Arbeitsrolle nehmen? Ich habe mich jahrelang hochgearbeitet, habe um meine Position gekämpft. Der Wind weht rauh in den oberen Etagen, aber ich bin auf der Hut, ich habe aus meinen Erfahrungen gelernt. Wenn ich falle, werde ich tief fallen. Aber noch sitze ich fest auf dem Ast!"
Ich horche auf, habe nicht irgendwo ein gefährliches Knacken vernommen? Mein Leben schenkt mir einen fast unehrlichen, gönnerhaften Blick. Es zuckt mit seinen Mundwinkeln und hebt die Augenbrauen: "Die Erfahrung schenke ich Dir." Aus dem anfänglichen Knacken ist nun deutlich ein gefährliches Knirschen geworden. Ich bin entsetzt über die Entschlossenheit, balanciere auf meinen Ast, schlage den Schmusekurs ein, gebe mich demütig und gestehe: "Ich weiß, meine Liebesrolle, ich habe versagt. Ich habe nicht vertraut, habe mich leiten lassen von meinen Begehrlichkeiten. Ich werde es gerade rücken, gleich heute Abend... Aber es lächelt nur müde: "Dafür ist es nun zu spät. Ich streiche deine Liebesrolle, Du hast sie nicht gut gespielt. Aber ich bin bereit, Dir eine neue Chance zu geben, wenn du wieder bereit bist, Liebe zu fühlen und zu geben." Ein Schlag in mein Gesicht! Ich widersetze mich mit lauter Stimme: Nein! Das kannst du mir nicht antun. Ich kann lieben!
Ich spüre ohnmächtige Wut in mir und laut entgegne ich in sein stolzes, egoistisches Gesicht: "Oh nein, nicht mit mir!!" Ich schüttele heftig mit dem Kopf. Ich bin in starker Aufregung und verzweifelt klammere ich mich an meinen Ast. Aber er gibt nach unter dem Gewicht meines Stolzes und meiner Ängste. Ich falle unsanft, aber ich ignoriere den Schmerz. Ich werde es einfach nicht zulassen. Basta! Ich werde meine Rollen einfach festhalten. Langsam spüre ich Taubheit in meinen Händen, so krampfhaft halte ich an meinem Leben fest. Ich bin nun böse, kopflos, verzweifelt, als ich bemerke, dass es mir mit einer stärkeren Waffe entgegen tritt: "Du kannst nicht gewinnen, Du willst nicht verstehen."
Es wird ganz grau um mich herum und ich spüre, dass es mir nun das Chaos unaufhaltsam in mein Leben schickt. Ich habe nicht die Kraft das verwüstende Chaos aufzuhalten. "Du bist ungerecht, ich habe das nicht verdient." Ich mag nicht loslassen, ich erhebe mich, zwar wankend, aber dennoch wage ich, dem Chaos zu trotzen. Bereit, um das zu kämpfen, woran ich nun so lange gearbeitet haben. Ich will an meinen Sehnsüchten festhalten, deren Erfüllung ich in greifbarer Nähe vermute. Doch das Chaos ist stärker. Gleich einem Feldbrand wütet es in meinem Leben, hinterlässt unaufhaltsame vernichtende Entwicklungen und setzt seine schmerzhaften Duftmarken überall dort, wo ich versagt habe oder etwas vernachlässigt habe. Verzweifelt laufe ich über die verbrannte Erde und suche nach dem, was mir von meinen Leben, von meinen Rollen und Sehnsüchten übrig geblieben ist. Ich blicke mich verstohlen um, bücke mich, hebe es auf und sammele alles. Ich bin gehetzt und suche nach Vertrautheit und Sicherheit. Alles werfe ich in meinem Lebenstopf. Gerettet!!!
Triumphierend halte ich meinen Lebenstopf fest in der Hand und lasse einen kleinen Blick hinein gewähren: "Hah, siehst Du, alles kannst du mit nicht nehmen, ich halte es fest in meinen Händen. "Das soll dein Leben sein? Ich kann nichts darin erkennen." Es lacht mich aus. "Schau dir deine Lebenssuppe doch mal an, ohne Struktur, keine Ziele, das ist doch erbärmlich." Ich bin nun verunsichert, wage einen verletzten Blick in meinem Lebenstopf. Vorsichtig greife ich hinein, alles ist schwammig. Ich rühre darin und versuche das, was ich als mein Leben zu erkennen vermag, hinaus zu holen und wieder in Ordnung zu bringen. Aber es ist in etwa so, wie eine Qualle in Aspik ausfindig zu machen.
Das Chaos hat seine vernichtenden Spuren hinterlassen. Es hat mein Leben, meine Lebensrollen, meine Sehnsüchte in Unordnung gebracht. Deprimiert starre ich in die trübe, aussichtslose Einheitssuppe und rühre darin herum. Alles hat sich aufgelöst und verschwimmt miteinander. Ich fühle mich einsam und verlassen, mein Lebenstopf, er ist so wertlos für mich geworden. Ich beschließe, ihn an Ort und Stelle zurück zu lassen. Hilfesuchend und kleinlaut wende ich mich an Mein Leben: "Ich weiß, Du warst vorher schon einmal da. Ich habe deine Zeichen ignoriert. Auch mir ist aufgefallen, dass Dinge in meinem Leben nicht mehr stimmen. Ich wollte es mir nicht eingestehen. Ich kämpfte doch an so vielen Baustellen. Ich war geblendet von der Suche nach Erfüllung, dass ich nur dort eingriff, wo es mir am dringlichsten erschien." Meinen Lebenstopf, ich will ihn nicht mehr und stelle ihn auf dem Boden, wende mich gedemütigt ab.
Mein Leben... es ist weg und gibt mir keine Antwort mehr. So hocke ich nun in meinem Schlammassel, Überbleibsel meiner verlorenen Rollen. Bittere Tränen der Erkenntnis laufen über mein Gesicht und ich bemühe mich, den Schlammassel zu ordnen. Traurige Gedanken schwirren in meinem Kopf, ich fühle mich einsam - verlassen, wo soll ich denn nun ein neues suchen, neue Inhalte, neue schöne Rollen? Einsam blicke ich mich um und eine starke Anziehung aus der Richtung meines Lebenstopfes, welcher noch immer dort steht, wo ich ihn habe stehen lassen. Ich trete vor ihm hin und blicke verächtlich hinein. Doch die schwammige Masse ist klar und es funkelt darin. Mit diebischen Blicken, voller Neugierde hebe ich ihn auf, presse ihn an mich. Ich kann Hoffnung erkennen. Ich bin ganz verzaubert und voller Dankbarkeit entnehme ich ihm die wertvollen Erfahrungen, die ich für meine neuen Rollen brauchen werde.
Ich habe verstanden. Ich habe Sehnsucht nach Ordnung in meinem Leben. Ich habe den Mut, neue Wege zu gehen und ich will mich einlassen auf neue Rollen, auf einen neues Leben.
Ich fühle ein wohliges Streicheln auf meiner Seele und Mein Leben flüstert mir in mein Ohr: "Du musst nicht suchen, alles ist da! Schau in deinen Topf, ordne und finde, es sind schöne Rollen für dich dabei. Deine Hoffnung, dein Mut, deine Erfahrungen. Siehst du nicht die Perspektiven, die in ihnen schlummern? Es lassen sich viele schöne neue Rollen schreiben, ich bin voller Zuversicht für Dich. Endlich lächele ich, ich bin bereit, Abschied zu nehmen. Bereit, mit den sich mir bietenden Perspektiven, mit Hilfe meiner Erfahrungen nach vorne zu blicken. Jedes Ende ist immer auch ein Anfang. Mein Leben hat es mich gelehrt und die schönsten Rollen schreibt immer noch das Leben - Mein Leben!
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21.06.2006 09:46 |
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Sugarsweet
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so erging es mir beim lesen.
ein beitrag, der mut macht, alte pfade zu verlassen und neues zu wagen.
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22.08.2006 19:47 |
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jeder muss selbst wissen, wo er stehen will und muss oder sollte versuchen mit all seiner krasft dorthin zu kommen
__________________ Wenn euch noch irgendeine Sache durchs Profil nicht
erfahren habt, einfach nachfragen - dann sag ichs euch........
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29.09.2006 02:15 |
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nicht_Paul unregistriert
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30.09.2006 19:25 |
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